PK - Psycho-Kinesiologie & Systemische Regulationsarbeit nach Dr. Dietrich Klinghardt
Wenn belastende Erfahrungen die Regulationsfähigkeit beeinflussen können
Jeder Mensch sammelt im Laufe seines Lebens Erfahrungen – körperlich, emotional und mental. Die meisten davon werden vom Nervensystem verarbeitet und in unsere persönliche Entwicklung integriert. Manche Ereignisse können jedoch das individuelle Verarbeitungsvermögen zeitweise überfordern.
Dazu gehören beispielsweise Unfälle, Operationen, schwere Erkrankungen, anhaltender Stress, belastende Beziehungserfahrungen oder andere emotionale Ausnahmesituationen.
Aus neurobiologischer Sicht können solche Erfahrungen dazu beitragen, dass das autonome Nervensystem bestimmte Schutz- und Anpassungsmuster aufrechterhält, obwohl die ursprüngliche Belastung längst vergangen ist. Dadurch kann die Regulationsfähigkeit des Organismus beeinträchtigt werden.
Dies kann sich unter anderem auf das vegetative Nervensystem, die Stressverarbeitung, das Schmerzempfinden, den Schlaf, den Stoffwechsel oder das allgemeine Wohlbefinden auswirken.
Nicht jede Belastung führt zwangsläufig zu Beschwerden. Ebenso selten lässt sich ein Symptom auf nur einen einzelnen Einflussfaktor zurückführen. Häufig entstehen Beschwerden durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, funktioneller, emotionaler oder umweltbedingter Faktoren.
Der Muskeltest als Orientierung innerhalb des Regulationssystems
Wie bereits beim Autonomen Response Test (ART) beschrieben, nutzen wir auch innerhalb der Psycho-Kinesiologie die unmittelbaren Reaktionen des Regulationssystems als therapeutische Orientierung.
Der Muskeltest dient dabei nicht dazu, Gedanken zu lesen oder Erinnerungen zu erraten. Vielmehr unterstützt er dabei, jene Themen zu identifizieren, auf welche der Organismus zum aktuellen Zeitpunkt mit einer messbaren Veränderung seiner Regulationsfähigkeit reagiert.
Dadurch können häufig jene Themen erkannt werden, welche für den Organismus im Moment therapeutisch die größte Bedeutung besitzen.
Viele Patientinnen und Patienten empfinden dieses Vorgehen als entlastend. Nicht jede belastende Erfahrung muss ausführlich erzählt oder erneut durchlebt werden. Vielmehr richtet sich die Aufmerksamkeit auf jene Zusammenhänge, welche das Regulationssystem aktuell als bedeutsam erkennen lässt.
Der persönliche Dialog bleibt dabei selbstverständlich ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Der Muskeltest dient als ergänzende Orientierung innerhalb des gesamten therapeutischen Prozesses und ersetzt weder die klinische Beurteilung noch das gemeinsame Gespräch.
Der Mensch als Teil eines Familiensystems
Neben den persönlichen Lebenserfahrungen berücksichtigt die Psycho-Kinesiologie nach Dr. Dietrich Klinghardt – sofern therapeutisch relevant – auch familiäre Beziehungsmuster und generationenübergreifende Belastungen.
Jeder Mensch entwickelt sich innerhalb eines Familiensystems. Werte, Beziehungserfahrungen, Rollenbilder und prägende Lebensereignisse können über Generationen hinweg Einfluss auf das individuelle Erleben und Verhalten nehmen. Familiäre Beziehungsmuster und generationenübergreifende Belastungen können innerhalb des therapeutischen Prozesses berücksichtigt werden.
Im Unterschied zur klassischen Familienaufstellung mit Repräsentanten erfolgt die Orientierung innerhalb der Psycho-Kinesiologie über den Autonomen Response Test (ART). Dadurch kann überprüft werden, ob familiensystemische Aspekte zum aktuellen Zeitpunkt eine therapeutische Relevanz besitzen und in den Behandlungsprozess einbezogen werden sollten.
Im weiteren Verlauf werden diese Themen behutsam gemeinsam bearbeitet und – je nach individueller Situation – durch Mentalfeld-Techniken (MFT), therapeutische Gespräche oder weitere geeignete Verfahren begleitet.
In einzelnen Situationen kann es sinnvoll sein, die therapeutische Arbeit durch eine klassische systemische Familienaufstellung oder eine entsprechend spezialisierte therapeutische Begleitung zu ergänzen. Welche Form der Unterstützung im individuellen Fall hilfreich sein kann, wird gemeinsam und sorgfältig besprochen.
Dabei geht es nicht darum, Schuld zuzuweisen oder vergangene Ereignisse zu bewerten. Ziel ist vielmehr ein besseres Verständnis möglicher Zusammenhänge sowie die Unterstützung der individuellen Regulationsfähigkeit.
Mentalfeld-Techniken (MFT)
Die Mentalfeld-Techniken (MFT) stellen einen weiteren Bestandteil des Behandlungskonzeptes nach Dr. Dietrich Klinghardt dar.
Sie verfolgen das Ziel, stressassoziierte Reaktionsmuster des Nervensystems sowie emotional belastende Erfahrungen therapeutisch zu begleiten und die Regulationsfähigkeit des Organismus zu unterstützen.
Während sich der Patient innerlich auf ein bestimmtes Thema oder eine belastende Erinnerung konzentriert, werden definierte Akupressurpunkte und Meridiane stimuliert. Nach dem theoretischen Modell der Methode soll dadurch die Verarbeitung belastender Inhalte unterstützt und das Regulationssystem stabilisiert werden.
Viele Patientinnen und Patienten berichten im Anschluss über eine spürbare innere Entlastung, eine veränderte Wahrnehmung belastender Erinnerungen oder eine Verbesserung körperlicher Begleitbeschwerden. Welche Veränderungen im Einzelfall eintreten, ist individuell verschieden.
Ein besonderer Vorteil der Mentalfeld-Techniken besteht darin, dass einzelne Übungen nach entsprechender Anleitung auch selbstständig im Alltag angewendet werden können. Dadurch erhalten Patientinnen und Patienten ein einfaches Werkzeug, um ihre eigene Stressregulation auch außerhalb der Behandlung aktiv zu unterstützen.
Je nach individueller Situation können ergänzend weitere Verfahren wie die Tapas-Technik, die 20-Minuten-Schreibtechnik oder andere therapeutische Methoden in den Behandlungsprozess integriert werden.
Unser therapeutisches Verständnis
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb gibt es auch keine allgemeingültige Erklärung für die Entstehung von Beschwerden.
Unser Ziel besteht nicht darin, möglichst schnell eine einzelne Ursache zu benennen, sondern gemeinsam zu verstehen, welche biologischen, funktionellen, emotionalen oder familiensystemischen Einflussfaktoren im individuellen Fall zur aktuellen Situation beigetragen haben könnten.
Lassen Sie uns gemeinsam verstehen, welche Faktoren zu Ihren Beschwerden beigetragen haben könnten – und welche Möglichkeiten wir haben, Ihren Organismus bestmöglich zu unterstützen.